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Information zu Bad Abbach

Naturheilkunde in Bad Abbach

hildegard v bingenDie Ordensfrau und Mystikerin Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) gilt als eine der bedeutendsten Frauen des deutschen Mittelalters und ist heute weit über ihre rheinische Heimat hinaus bekannt.
Die mittelalterliche Medizin und damit auch die Natur- und Heilkunde der Hildegard von Bingen vermittelt zwar keine modernen Behandlungsmethoden und Techniken zum Heilen, überliefert aber Wege zu gesunder Lebensordnung und -führung und Anleitung zur Heilkunde.
Die naturkundlichen und medizinischen Schriften Hildegards entstanden zwischen 1150 und 1160. Niedergeschrieben wurden von ihr Erfahrungen des Volkes nach antiker Überlieferung.
Anhand ihres nicht erhaltenen Originalwerks „Das Buch von den Geheimnissen der verschiedenen Naturen der Geschöpfe" – „Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum", das später im 13. Jahrhundert, nach mühsamer Zusammenstellung der verloren gegangenen Handschriften lange Jahre nach ihrem Tod, in die „Physica", einer für den Volksgebrauch bestimmte Naturkunde und Heilmittellehre, und in die „Causae et curae", wo Heil- und Behandlungsmethoden beschrieben werden, aufgeteilt wurde, lässt Fachleute erkennen, dass Hildegard von Bingen bereits Kenntnis über relevante Fachliteratur haben musste. Die belesene und hochintelligente Ordensschwester beruft sich in ihrem Werk auf
- das im 2. Jh. in Ägypten entstandene Naturkundebuch „Physiologus"
- die rund 500 Pflanzen behandelnde „Materia medica" des griechischen Arztes Dioskuridis Pedanios (1. Jh.)
- den „Hortulus" des Abtes Walahried Strabo (um 840)
- das Heilpflanzenbuch des Mittelalters aus dem 11. Jh., den „Macer Floridus"
- sowie auf das Pflanzenarzneibuch „Circa instans", ebenfalls aus dem 11. Jh.
LiebesbaenkchenWelche Teile ihres Werkes nun direkt original von ihr stammen oder von ihr „nur" übernommen wurden, können auch Fachleute nicht verifizieren. Aber dennoch ist es lohnenswert, sich mit der Heilkunde nach Hildegard von Bingen zu befassen. Immer mehr Schulmediziner, die neben den obligatorischen Heil- und Behandlungsmethoden auch auf ihre Heilkunde zurückgreifen, können sich nicht irren.
Mit ihrer überlieferten Heilkunde geht Hildegard von Bingen bis zur Erschaffung der Welt zurück. Sie hebt die besondere Stellung des Menschen im Kosmos und seine Heilsbestimmung besonders hervor. Die Harmonie des Menschen mit Gott und dem Kosmos ist für die Ordensfrau im Hinblick auf sein Heil – seine Gesundheit – von äußerster Wichtigkeit. Für sie ist der Mensch von seiner ursprünglichen „constitutio" her heil geschaffen und zum Heil bestimmt. Mit dem Sündenfall beginnt für sie die Entfremdung des Menschen von Gott und von sich selbst. Von nun an unterliegt der Mensch einer krankhaften Deformierung, der „destitutio". Mit ihrer Heilkunst will sie den Menschen den Weg zurück, zurück zum umfassenden Heil, zur „restitutio", aufzeigen.
Sie fordert für die Handhabung ihres naturheilkundlichen Wissens zuerst eine Diätetik, danach erst den Griff zum (naturkundlichen) Arzneimittel und ganz zum Schluss erst die „Chirurgie", wie Schröpfen und Aderlass. Sie empfiehlt, sich festen Lebensregeln zu unterwerfen und sich eine ausgewogene Lebensordnung zu schaffen sowie sinn- und maßvoll zu leben.
Aber nicht nur diese „Mittel zum Zweck" gehören für Hildegard von Bingen zum Gesunden, sondern auch zum Beispiel die heilsamen Kräfte von Wort und Musik sowie Zuwendung zum Patienten. Sie praktiziert die letztgenannte Zuwendung, leidet selbst mit den Patienten und zeigt tiefe Mitmenschlichkeit. Diese Barmherzigkeit, symbolisiert durch das grüne Gewand, der Grünkraft, ist für sie die alles entscheidende Lebenskraft.
Mit ihrer Einstellung zog sie nicht nur ihre Zeitgenossen in den Bann, sondern gerade in der heutigen Zeit Menschen, die einen anderen Weg gehen wollen, die nach Sinn, nach neuer Orientierung, nach Ganzheit und Heil, auch im spirituellen Bereich, streben.
Hildegard von Bingen war eine Visionärin und Prophetin. Sie war überzeugt davon, dass Himmel und Erde, Glaube und Naturkunde, das menschliche Dasein insgesamt als Geschenk und Aufgabe zugleich zu sehen ist.kurpark
Hildegard von Bingen war keineswegs „nur" eine Ordensschwester, eine Theologin, sondern auch eine sprachgewandte Autorin, was ihre großen überlieferten Werke und über 300 Briefe belegen, sie war Dichterin, ja sogar Komponistin. Weit über 70 Lieder aus ihrer Feder sind überliefert, ebenso das Singspiel „Ordo Virtutum – Spiel der Kräfte".
Hildegard von Bingen war bereits zu ihrer Zeit eine Autorität und mit ihren – heute wieder sehr gefragten - naturheilkundlichen Ausarbeitungen und Ratschlägen wird sie auch eine Autorität bleiben.
Die Hildegard-Medizin soll die Schulmedizin nicht ersetzen, sondern unterstützend heilsam sein.
In unserem Kurpark wird demnächst, nach dessen Sanierung, ein „Hildegard von Bingen-Garten" – der bereits vor einigen Jahren angelegt wurde – noch ausführlicher die Kräuter der Hildegard von Bingen und deren Wirkung präsentieren. Bei leiser Musik lädt dieses Gärtchen im Frühjahr, im Sommer und im Herbst zum Schauen und meditativem Verweilen ein.
Spezielle Programmpunkte zum Thema „Hildegard von Bingen und ihre Naturheilkunde" können Sie demnächst dem Menüpunkt „aktuelles" entnehmen.